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Gedichte

Nun hast auch du

Nun hast auch du, mein Herze,
dein großes Liebesleid,
nun bist auch du vom Schmerze
gesegnet und geweiht.
Von heut ab wird dein Klagen
nicht tändeln mehr wie einst,
und auch dein schönstes Sagen
wird sein, als ob du weinst.

Christian Morgenstern

Leere

Mein Herz ist leer,
ich liebe dich
nicht mehr.
Erfülle mich!
Ich rufe bitterlich
nach dir.
Im Traume zeig
dich mir
und neig
dich zu mir her!
Erfülle mich
mit dir
auf ewiglich!
Ich trag’s nicht mehr, -
ich liebe dich
zu sehr.

Christian Morgenstern

Zu Emma

Nicht aml einen einzgen Kuss,
Nach so monatlangem Lieben!
Und so bin ich Allerärmster
Trocknen Mundes stehn geblieben.

Einmal kam das Glück mir nah -
Schon konnt ich den Atem spüren -
Doch es flog vorüber - ohne
Mir die Lippen zu berühren.

Heinrich Heine

Ein Weib

Sie hatten sich beide so herzlich lieb,
Spitzbübin was sie, er ein Dieb.
Wenn er Schelmenstreiche machte,
Sie warf sich aufs Bett und lachte.

Der tag verging in Freud und Lust,
Des Nachts lag sie an seiner Brust.
Als man ins Gefängnis ihn brauchte,
Sie stand am Fenster und lachte.

Er ließ ihr sagen: O komm zu mir,
Ich sehne mich so sehr nach dir,
Ich rufe nach dir, ich schmachte -
Sie schüttel´ das Haupt und lachte.

Um sechse des Morgens ward er gehenkt,
Um sieben ward er ins Grab gesenkt;
Sie aber schon um achte
Trank roten Wein und lachte.

Heinrich Heine

Clarine 1

Jetzt verwundet, krank und leidend,
In den schönsten Sommertagen,
Trag ich wieder, Menschen meidend,
Nach dem Wald die bittern Klagen.

Die geschwätzgen Vögel schweigen
Mitleidvoll in meiner Nähe;
In den dunkeln Lindenzweigen
Seufzt es mit bei meinem Wehe.

in dem Tal, auf grünem Platze,
Setz ich jammervoll mich nieder.
Katze, meine schöne Katze!
Jammerts aus den Bergen wider.

Katze, meine schöne Katze,
konntest du mich so verletzen.
Wie mit grimmer Tigerkatze
Mir das arme Herz zerfetzen!

Diese herz war, ernst und trübe,
Längst verschlossen allem Glücke;
Ach, da traf mich neue Liebe,
Denn mich trafen deine Blicke.

Heimlich schienst du zu miauen:
Glaube nicht, dass ich dich kratze,
Wage nur mir zu vertrauen,
Ich bin eine gute Katze.
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Heinrich Heine