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Gedichte

Hortense I & IV

I

Wir standen an der Straßeneck
Wohl über eine Stunde;
Wir sprachen voller Zärtlichkeit
Von unsrum Seelenbunde.
Wir sagten uns viel hundertmal,
Dass wir einander lieben;
Wir standen an der Straßeneck,
Und sind da stehn geblieben.
Die Göttin der Gelegenheit,
Wie´n Zöfchen, flink und heiter,
Kam sie vorbei und sah uns stehn,
Und lachend ging sie weiter.


IV

Nicht lange täuscht mich das Glück,
Das du mir zugelogen,
Dein Bildist wie ein falscher Traum
Mir durch das Herz gezogen.

Der Morgen kam, die Sonne schien,
Der Nebel ist zerronnen;
Geendigt hatten wir schon längst,
Eh wir noch kaum begonnen.

Heinrich Heine