Ach, ich sehne mich nach Tränen,
Liebestränen, schmerzenmild,
Und ich fürchte, dieses Sehnen
Wird am Ende noch erfüllt.
Ach, der Liebe süßes Elend
Und der Liebe bittre Lust
Schleicht sich wieder, himmlisch quälend,
In die kaum genesne Brust.
6
Wenn du mir vorüberwandelst,
Und dein Kleid berührt mich nur,
Jubelt die mein Herz, und stürmisch
Folgt es deiner schönen Spur.
Dann drehst du dich um, und schaust mich
Mit den großen Augen an,
Und mein Herz ist so erschrocken,
Dass es kaum dir folgen kann.
Heinrich Heine